Die Neuropelveologie ist der Bereich in der Medizin, der sich auf die nervalen Erkrankungen des kleinen Beckens bzw. auf die Störungen des kleinen Beckens spezialisiert, die die pelvinen Nerven beeinflussen bzw. schädigen. Folglich befasst sich dieses Spezialgebiet nicht nur mit pelvinen Pathologien (Erkrankungen des kleinen Beckens), z.B. Endometriose, Tumoren, post-OP Narbengewebe oder anderen Zuständen, die die pelvinen Nerven in ihrer Funktion stören und/oder nervale Schmerzen hervorrufen. Desweiteren befasst man sich auch mit unmittelbaren Erkrankungen der pelvinen Nerven, wie z.B. multiple Sklerose, Spina bifida (offener Rücken), Rückenmarksverletzungen, Nervenverletzungen nach ausgedehnten Operationen, Traumen oder äußere Störfaktoren, aber auch wie z.B. Zustände nach Strahlentherapie.
1.) Die laparoskopische Chirurgie der Endometriose, insbesonders die schwerwiegende tiefinfiltrierende Endometriose mit Darm-, Blasen-, Harnleiter- und Nerven-Befall,
2.) Die laparoskopische, nervschonende Chirurgie bei gutartige Erkrankungen der Gebärmutter (Myomen, Blutungstörungen) sowie bei bösartige Erkrankungen der Gebärmutter oder des Gebärmutterhalses (Zervixkarzinom – auch bei bestehende Kinderwunsch),
3.) Die laparoskopische, minimalinvasive, neurochirurgische Chirurgie der Beckennerven zur Behebung von Schmerzen im Bauch- und Beckenraum oder in den Beinen (z.B. Pudendusneuralgien, Ischialgien, pelvines Schmerzsyndrom, Gesässschmerzen, Neuralgien des N.genitofemoralis, N.ilioinguinalis und anderer postoperativ bedingter Nervenschädigungen),
4.) Die laparoskopische Implantation von Elektroden auf Beckennerven, auch bekannt als die so genannte LION-Methode (Laparoscopic Implantation Of Neuroprothesis = laparoskopische Implantation von Nervenprothesen) zur Kontrolle von nervalen Schmerzen (Pudendus Neuralgie, Polyneuropathie, Stumpf/Phantomschmerzen nach Amputation...), zur Behandlung von Blasen- und Darmentleerungstörungen oder zur Kontrolle von Blasen- oder Darm-Inkontinenz, Dranginkontinenz, chronische Prostatitis, sowie zur Wiederherstellung von Blasen-, Darm- und Sexualfunktionen bei gelähmten Patienten, Patienten mit Spina bifida, Multipler Sklerose, Cauda Equina-Syndrom oder bei Patienten mit operationsbedingen nervalen Verletzungen.
Da die offene Chirurgie keine adäquaten Zugang zu den pelvinen Nerven bietet, wurden alle diese Verfahren und Prozeduren erst möglich mit der Einführung der Laparoskopie (minimalinvasive Operationstechnik), vor allem aber mit der Einführung der intraoperativen Elektrostimulation pelviner Nerven – auch LANN-Technik (LAparoscopic Neuro-Navigation) genannt – macht die intraoperative Identifikation der nervalen Funktionen der präparierten Nerven möglich.